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Dienstag, 30. September 2014

4 - 3 - 2 - 1 - Jetzt!

Flashback würde man dem wohl auf Neudeutsch sagen. Also wenn ich Dir jetzt gestern schon verraten habe, dass ich nun auf den Tag genau vor vier Jahren zum ersten Mal auf meiner Reise nicht mehr in der Schweiz sondern in den USA, im Hause der Stebler's aufwachte, dann nehm ich Dich jetzt ein, zwei, drei Jahre mit in die Vergangenheit dieses Trips. 


Am 30. September 2011 habe ich auf Mexico's Baja California Halbinsel, direkt an der prächtig warmen Sea of Cortez gecampt. Nicht ohne dass ich den blue truck zuvor schweren Herzens auf einer kleinen, salznassen Strasse die nur bei Ebbe befahrbar ist unmittelbar den Klippen entlang zu diesem fantastischen Örtchen steuerte. Den Ort hat mir Richard verraten und getroffen habe ich dort unter anderen auch Donna - siehe Meet and Greet!


Und was ist denn jetzt das? Ein solch prächtiges Alpenpanorama am 30. September 2012? - Ja richtig, Alpenpanorama! - Wie kommt den das, der ist doch auf einer Reise auf den amerikanischen Kontinenten, da gibt's doch keine Alpen. Und das stimmt schon so. Vor zwei Jahren war ich für einen Heimat- und Zügelurlaub, meine Eltern sind von ihrem Haus in eine nette Wohnung umgezogen, in der Schweiz und habe bei dieser Gelegenheit meine Suzuki über den einen oder anderen Alpenpass gejagt. So eben auch an diesem letzten September Sonntag 2012. 


Und beim Bergpanorama bleiben wir auch gleich, ein Jahr später, genau am 30. September 2013 guckte ich in Bolivien von den Anden Auslegern hinunter Richtung Osten in die fruchtbaren tropischen Täler, bevor es auf der berühmt-berüchtigten Todesstrecke wieder hoch hinauf in die Anden ging.


Und heute? Am 30. September 2014, dem vierten Jahrestag meiner Reise auf dem amerikanischen Kontinent? Heute kann ich vor allem eines machen, alle denen die sich über den verregneten Sommer zu Hause in der Schweiz so wenig gefreut haben ein bisschen Trost spenden. Brasilien, Sonne, Strand und Meer. Ja genau, das heisst hier auch ganz stilecht SURFCAMP, nur mit Surfen ist so wenig los wie mit Baden oder sich in die Sonne räkeln . Es schifft zum Jubiläum in Strömen. Ein bisschen Angewöhnung für die baldige Heimkehr mitten in den schweizerischen Winter.

Bis bald!




Mittwoch, 6. November 2013

Heute vor 2 Jahren: Mexikanisches Lastwagen Rennen...


...auf öffentlicher Strasse und mit Gegenverkehr. Der blue truck in sicherer Distanz und langsamer als alle vier Beteiligten. 

Samstag, 29. Juni 2013

Apropos Grillfest - Ein Rückblick und kein Vegi-Fest!


Im Februar 2012 bereiteten Toni & Felix und ich uns auf den Grenzübertritt von Mexico nach Guatemala vor. Da darfst kein Fleisch mehr in der Kühlbox haben sonst grillt das dann der Duana Mensch der es Dir an der Grenze abnimmt. Easy Solution, siehe Photo. 

Ein schlemmer Fest war das, am 8. Februar 2012, Rindsfilet, Churrasco, Zwiebeln vom Grill, Kartoffeln (in der Alufolie unter dem Grill). Und ja, wir waren nur zu Dritt. Für noch mehr essbares klicke HIER!

Montag, 26. November 2012

Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs


„Business or pleasure?“ – Dann weisst Du es ist um Dich geschehen, wenn Du so von Deiner nicht freiwillig gewählten Partnerin und nicht dass Du jetzt denkst unfreiwillig verheiratet werden oder so, nein, Sitzpartnerin im Airliner, auf Deinem US-Inlandflug angemacht wirst. Da musst Dich schon sehr tief in Deinen Laptop verkriechen oder hinter Deinem Buch verstecken, damit Du dann noch eine Chance hast. Schlafend stellen funktioniert schlecht, eh. Das Gute daran auf diesen Flügen in den USA, Du brauchst ja dann nur einen Satz zu sagen, zum Beispiel: „Pleasure, I am heading to New York to see friends“ oder: „Business, Headquarter Meeting in Orlando“ und das reicht vollkommen aus. Das Schlechte, die Dame wird Dir über die nächsten Stunden die Du gemeinsam mit ihr, schon wieder unfreiwillig, Dein Leben teilst, ihre Lebensgeschichte wiedergeben. Das glaubst Du gar nicht bevor Du so was nicht selbst erlebt hast. Da reichen dann zwei Stunden Flug locker für 30 US Amerikanische Soap Serien. Du weisst schon, jene die auch geeignet sind für Dich, wenn Du nicht ganz so genau mitkommst, weil immer im Hintergrund ein gespenstisches Publikum "Ohhh, ahhh“ wenn’s spannend sein soll. Und Lustig, das wird Dir durch ein unverkennbares Gelächter von den imaginären Zuschauern mitgeteilt, nicht dass Du etwa noch den Witz verpasst. Eben, so wird sie Dich volllabern mit ihrer ganz normalen US Lebensgeschichte, vom ersten, zweiten, dritten Husband, über die Kinder, die Europa Reise, die Rheinkreuzfahrt und Schweden, Dein vermeintliches Heimatland wird durch alle Böden gerühmt, was für eine schöne Hauptstadt Stockholm doch ist. 

Das, das bleibt Dir alles erspart wenn Du in Lateinamerika fliegst. Aber auch spannend – garantiert. Also ich sag Dir, da kommst gar nicht dazu Deinen Laptop auszurollen, heute natürlich iPad, aber auch den nicht oder Dein Buch aufzuklappen, von schlafend stellen, fang gar nicht erst an.

Da sitz ich also, so ungefähr Anfang des letzten Drittels in der Boeing 737 auf meinem Flug von Mexico City nach Bogota. Also Flug von Veracruz nach Mexico City auch ganz spannend, eine Geschichte für sich, komm noch darauf. Neben mir ein sehr umfangreicher Herr, mit seiner vielleicht zwölf- oder dreizehnjährigen Tochter, schon so ein bisschen gefährlich kurvig aber doch noch richtig Kind und schlank, ich meine schlank, das muss sie von der Mutter haben, definitiv. Der Herr, Vater eben, der ist nicht nur dick, er ist auch gross. Und Mexican Airlines nicht doof, die borden die Flugzeuge nach Sitznummern, da werden die Fensterplätze zuerst, dann Mittelsitze, dann Gang zum Einsteigen aufgefordert. Und tatsächlich da denkst jetzt Mexico und so aber ich sag Dir, das geht wirklich ruckzuck. Weil ich dacht‘ mir noch, der Flieger geht doch nie pünktlich, wie wir erst 10 Minuten vor planmässigem Abflug mit dem Einsteigen beginnen aber deutsche Gründlichkeit ein Schnupperlehrling gegen diese Organisation. O.k., das mit dem vielen Handgepäck vielleicht dann nicht so wirklich Gründlichkeit. Da wird so viel Zeugs oft in schwarze Abfallsäcke gepackt mitgeschleppt, da könntest glatt meinen Du fliegst mit der Trash-Air, sprich Kehrichtabfuhr. Auf jeden Fall pünktlich kommt die Ansage, zuerst auf Spanisch, dann - allerdings nicht mehr so gut hörbar - auf Englisch, dass die Türe nun geschlossen sei, Tischchen hoch, Sitz gerade und überhaupt. Die Gelegenheit für mich meinem Sitznachbarn die Armlehne runter vorbei am Bauch zu quetschen, damit ich wenigsten eine geringe physische Barriere zu seinen Formen hab. Er guckt entgeistert aber freundlich, „muss man! Tische hoch, Lehnen runter“ sag ich, der, der kann gar nicht zuhören, weil da ist schon richtig Action auf dem Flieger. Zwei drei Reihen weiter vorne sind drei, vielleicht vier Reihen mit Frauen, also irgendwie so Frauenverein on Tour oder so ähnlich, besetzt. Alle so zwischen 50 und vielleicht 65. Und jetzt musst Du Dir das vorstellen, sowie die Stewardess, also heute sagt man dazu ja Flugbegleiterin, die Mitteilung in ihr Telefonhörerchen plaudert, dass jetzt die Türe geschlossen ist, also da geht das los. Das musst Du Dir etwa so vorstellen, wie aufm Jahrmarkt, da gibt’s doch diese Dinger, da bezahlst was und dann schiessen da aus einem ganzen Brett mit vielen Löchern immer wieder irgendwelche Kröten-, Krabben-, Clown- oder sonst was für Köpfe hoch und Du hast diesen Gummihammer und musst blitzschnell die mit einem Schlag aufn Kopf wieder in ihre Löcher verweisen. Und wenn gut dann Freispiel und so weiter. Und eben genau so geht das hier jetzt mit dem Frauenverein, statt brav sitzen und anschnallen schiessen die aus ihren Sitzen hoch eine um die andere. Krabbenspiel nichts dagegen. „Nein das geht nicht, ihr könnt die Türe nicht schliessen, da fehlt eine“ brüllt die rundliche Frau mit dem riesen Busen, der vor lauter Aufregung auf und ab schwappt, dass man meinen müsste der Boeing Stossdämpfer würden demnächst kollabieren. „Auf machen!“ quietschen zwei weitere aufschiessende Damen im Chörchen während eine andere einstimmt „Eine fehlt!“ Die Flugbegleiterin, die, die jetzt grad neben mir steht, die hat schon die Schwimmweste an und die Gurtschnalle in Händen um gleich ihre kleines Sicherheits-Theäterchen vorzuführen, die dreht sich um läuft ein paar Reihen auf die Hysterie zu, bittet die Damen sich wieder zu setzten. Die ganz junge Flugbegleiterin, die sieht mit ihrem glänzend geschminkten Gesicht, dem Pagenschnitt und den knallrot lackierten Lippen ein bisschen aus wie eine Gestalt aus Madam Tussaud’s Wachsfiguren-Kabinett. Aber gut sieht sie aus, bloss nicht so echt. Die guckt nur ganz erschrocken, denn der schwappende Busen meint jetzt zur Schwimmweste: „Kommt nicht in Frage, Türe auf, da fehlt eine!“ und sozusagen Passagiermeuterei, schnellen nochmal zwei drei Krabben aus den Löchern hoch. Bloss hat die Flugbegleiterin keinen Hammer, wie Du aufm Jahrmarkt oder am Oktoberfest. Ganz ohne Hammer versucht sie die rebellierenden Damen in Schach zu halten während das Wachsfigürchen zur Seite gedrückt wird, jetzt kommt die Chefin, Maître de Cabin, persönlich. Und da musst Dir jetzt nicht so ein feines feingliedriges Mädchen vorstellen, so mit schmaler Taille, hübschem rundem Ärschen und so, nein, eher so Typ strenge Klavierlehrerin. Stämmig, kräftig aber nicht dick, Haare streng nach hinten gespannt, da tut Dir die Kopfhaut beim Hingucken weh. „Wir werden nicht von unserem Standplatz rollen können, wenn Sie sich nicht hinsetzen“ – „Wir setzen uns nicht! – Türe aufmachen“ bei uns fehlt eine, sie verweisen auf ihre Anführerin, welch interessanterweise ganz brav auf ihrem Stühlchen sitzt. Eine kurze Unterhaltung, die Klavierlehrerin verschwindet nach vorne ins Flugzeug, neben der Eingangstüre sieht man sie ins Telefon reden, kurz, zackig wie man es von diesem Typ Frau erwartet. Die Meute unterdessen untereinander in wildes Geschnatter verfallen, sozusagen Schulzimmer nach der Pause wenn Lehrer noch nicht da. Keine Minute vergeht, da ist sie zurück. Jetzt horchen sie alle angespannt, als hätten’s doch noch eins mit dem Hammer verpasst bekommen. Weil jetzt da staunst Du, sagt nämlich die Flugbegleiter Chefin, dass nicht eine sondern zwei der Damen fehlen, da gucken sich die Meuterer stumm kurz an und brechen dann fast einhellig in ein „Ja genau, Zwei!“ aus. Aber die werden nicht mal richtig fertig sich über ihr eigenes Vergessen ihrer einen Kollegin klar zu werden erläutert die Klavierlehrerin schon in ihrer angeborenen Autorität, dass die Damen offensichtlich nicht alle Papiere korrekt gehabt hätten, also die zwei, die noch draussen, für die Ausreisegenehmigung der Immigration. Und ehe sich die hysterischen Ladies richtig fassen können bittet die Chefin den Frauenverein sich nun zu setzen, da wir sonst nicht losrollen und auch nicht abfliegen könnten. Die junge Dame mit der Schwimmweste um den Hals steht unterdessen wieder neben mir und rollt die Augen, noch nie, noch nie flüstert sie mir zu, hätte sie einen Flug nach Bogota gehabt ohne Probleme. Der Klavierlehrerin wieder spricht man ungerne, der Hammer vom Maître de Cabin hat getroffen: Eine um die andere der aufgebrachten Ladies sinkt in ihren sitzt. Zuletzt die grossbusige Stossdämpfertesterin die noch ein „Aber, aber…“ stammelt während aus den Reihen die Hände ihrer Kumpaninnen deuten, sie solle sich jetzt setzen. So zu sagen die letzte Kröte ins Loch geschlagen. – Nur eine, aufm Flug oder nicht, die möchte ich nicht sein, die Zweite, die von all ihren Freundinnen einfach so vergessen wurde – das ist mir noch eine Freundschaft das.

Die Kopfhautschmerzen nochmal kurz am Telefon, Kapitän Bescheid geben, logisch. Und das Flugzeug nimmt Rückwärtsfahrt an und wird vom Schlepper vom Dock gestossen während die APU Drehzahl annimmt. Die Verspätung scheint irrelevant für den Slot zu sein, wir rollen zügig direkt an die Startbahn, kurz später drückt es uns in die Sitze. Die 737 sticht durch den Smog gen Himmel wie eine Krabbe die Du mit dem Hammer nicht erwischt hast, um noch Minuten lang über die nicht enden wollenden Besiedlungen von Mexico Stadt hinweg zu steigen. Irgendwann ist die Luft so trübe, dass man nicht mehr hinunter zu spähen vermag.  
    
Weisst du jetzt wieso mir fast zwangsläufig der Filmtitel dieses Films von Pedro Almodovar aus den achtziger Jahren in den Sinn kam wie ich auf Platz 25C dieser B737 sass? Frauen am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Aber nicht, dass Du denkst der Flug von Veracruz nach Mexico City wäre langweilig gewesen, also Boarding gleich zackig abgelaufen wie schon erwähnt, d.h. dann wenn Du Gang sitzt, dass da immer schon einer aufm Hocker ist bis Du im Flugzeug ankommst. Und diesmal Embraer 190, also nur zwei Stühle, ich habe sogar einen Notausgangsplatz, sprich statt Rückenlehne bewegen Beine strecken. Da freu ich mich wie ich mich dahin platziere. Ich grüsse das Bürschchen das sich schon am Fensterplatz eingenistet hat. Es sieht unbequem aus, wie er so verkrampft da sitzt. Sein rechter Arm sitzt ganz steif auf der Armlehne, ich kann mich nicht hinsetzen ohne seinen in meinen Bereich ragenden Ellenbogen zu steifen. Weg ziehen und Dich entschuldigen würdest Du, nicht? Der nicht, eisern und verkrampft starrt der vielleicht 20, höchstens 22 jährige Bursche mit seinem teenageflaumi Bärtchen geradeaus. Macht keinen Wank, in seinem Schoss hält er mit seinen langen schlaksigen Fingern mit beiden Händen seinen Boarding Pass und den spanischen Pass krampfhaft umklammert. Aha, logisch, Flugangst, denk ich mir. „Todo bien?“ Alles gut, frag ich ihn. Sein Kopf schiesst für den Bruchteil einer Sekunde zu mir rüber und während er schon wieder gerade aus starrt nickt er stumm. Ich denke mir, ich sollte ihn vielleicht nicht noch damit strapazieren ihn zu bitten, seinen Ellenbogen aus meiner Seite zu nehmen, ich rücke soweit es geht auf die rechte Seite meines Sitzes, was zwar nicht reicht um ihm zu entkommen, aber immerhin und klappe mein Buch auf und beginne zu lesen. Noch während Take-off und Steigflug macht er nochmals ein paar dieser gockelartigen zackigen Kopfbewegungen. Seine Papiere immer fest umklammert im Schoss, sein Ellenbogen krampfhaft auf der Armlehne verharrend. Irgendwann tut er dann mit den Beinen noch den Ellenbogen gleich und sitzt ganz breitbeinig im schmalen Embraer sitzt. Was für ein seltsamer Bursche denk ich mir, wie ich es mir noch ein bisschen weiter Richtung Gang auf meinem Sitz unbequem mache und auch noch meine Beine ganz nach rechts Richtung Gang verlagere. Ich komme gar nicht drum rum mit jeder Bewegung gegen seinen Ellenbogen zu knallen, der macht aber keinen Wank. Antwortet auch nicht wenn ich mich entschuldige. – Sobald der Steigflug flacher wird nistet er sich ein um gegen das Fenster hin schlafen zu können. Denkst auch, da schwindet der Arm mit dem eckigen Ellenbogen von der Armlehne, gell? Denkstä. Der bleibt da so verkrampft wie er sich an seinen Pass klammert. Und jetzt kommt‘s, also das glaubst ja nicht, das ist ja ein ganz kurzer 40 Minuten oder so Flug, also da tut der so als würde der jetzt sozusagen Vollgas schlafen. Kaum eben noch Gockel-Kugellager-Hals und schon Tiefschlaf. Geht doch nicht. Und sein haariges Köpflein eben noch gegen die Seitenwand gelehnt, dort wo alle immer ihre fettigen Haarwüschel hinlegen auf den Flügen - mitunter deshalb, ich lieber Gangplatz - schon und das ganz ohne irgendwelche Turbulenzen, Haarnadelkurven oder sonst irgendwelche Akrobatik des Piloten, schaukelt das Köpflein dieses Burschen vom Fenster weg Richtung Mitte, dann Richtung meiner Schulter und gerade als der, also ich war da schon ein bisschen hin- und hergerissen, ob das jetzt ein bisschen Vatervermisstgefühle vor lauter Flugangst waren oder eine schwule Zuneigung zu mittelalterlichen Herren, die mir diese ungewollte Zuneigung dieses jungen Herrn bescherte, eben, gerade als der seinen Kopf auf meine Schultern legen wollte, da trifft ganz zu fällig mein Ellenbogen den seinen auf der Armlehne so heftig, dass er sich rühren muss. Kurz Gockel, kurz Ellenbogen wegziehen und schon klebt er wieder am Fettfleck der Seitenverkleidung.  Übrigens ganz unaufgefordert wurde der dann wach wie die Flugbegleiterin ihm die Nüsschen reichte und etwas zum Trinken anbot. Seltsam. Wenig hab ich dagegen, kannst verstehen, dass wir schon wieder im Sinkflug sind. Nüsschen und Getränke verspiesen, Ellenbogen wieder positioniert, Pass und Boardingpass umklammert und wieder an der Seite lehnend, nicht an meiner, an jener des Vielfliegerfettflecks, sinken wir Richtung Mexico City. Und ich dacht‘ schon der Rest dieses Trips muss ganz entspannt von dannen laufen, wie ich mit dem Frauenverein in die 737 steige.

Aber in Bogota war ja dann meine Reise noch nicht zu Ende, ich wollte ja noch weiter nach Cartagena. Und da, also ich bin ja wirklich ein Glückspilz, da hab ich nämlich schon wieder einen Notausgangs-Sitz. Und das ist jetzt eine Airbus A320, also wieder Dreier-Sitz und da sind wir dann auch nur zu zweit, einer am Fenster und ich im Gang-Gestühl. Und genau ganz kurz nach dem die Türe schliesst, die noch beim vorherigen Flug für die Meuterei gesorgt hat, da kommt doch noch einer nervös nestelnd den Gang entlang, und natürlich dieser letzte Typ setzt sich, richtig erraten, genau zwischen uns zwei, wir grüssen beide freundlich, der Typ nuschelt irgendetwas während er aus seiner mitgebrachten Flasche trinkt. Und langsam, musst verstehen, ich ein bisschen müde, weil angekommen in Bogota kurz vor Mitternacht, Abflug geplant um 06:50 Uhr, wurde dann ein bisschen später, also so um 07irgendwas. Und da fliegen wir so daher, ich unterdessen so müde dass ich weder schlafen noch lesen kann, mein Stuhlnachbar immer nervös wieder an seiner Flasche orangen Getorade irgendwas schlürfend.  Auf jeden Fall, alles geht gut, kein Frauenverein und keine Krabbenköpfe, die Maschine setzt mit einer ordentlich knallharten Landung in Cartagena auf, hüpft gleich nochmal ein bisschen in die Luft um dann unvermittelt zu Bremsen und uns alle in den Gurten hängen zu lassen. Das kurze Gedränge bis jeder seinen Abfallsack aus der Gepäckablage hat und schon schwirren wir allesamt aus dem Flugzeug Richtung Flughafen Gebäude. Und früh morgens, also ich nicht der einzige der mal erst vor Gepäckförderband und alles aufs Töpfchen muss. Dort stand ich ja dann eh vergebens, vor dem Gepackförderband, weil Tasche ja nicht angekommen. Und da, ich meine da kannst jetzt sagen was Du willst von wegen Kolumbien und alles, aber Töpfchen, einwandfrei, sauber, Papier, Desinfektions-Stink-Spray und alles. Eben da sitzt ich da. Und wie ich so da sitzt, ich meine das hat jetzt nichts mit Kolumbien zu tun, in Frankfurt oder Zürich-Kloten sind die Trennwände aufm Örtchen auch nicht dicker, da hör ich eben, wie sich da einer neben mir die Seele aus’em Leib kotzt, also wirklich, so dass Dir die arme Sau echt leid tun kann. Ohne Ende sozusagen, aber trotzdem, helfen kann ich ja da auch nicht, fertig und Händchen waschen und so und da kommt doch tatsächlich mein Sitznachbar von eben aus dem Kotz-Kabäuschen, der nervöse Getorade Trinker. Also sozusagen am Boden gleich nochmal Sitznachbar. Also ich sag Dir, ich war ja zu dieser Zeit dann so ca. 19 Stunden unterwegs, drei Flüge und ein bisschen Flughafen kennen lernen hier und ein bisschen Flughafen da. Aber da, ich muss sagen, da wär ich glatt nochmal mit den hysterischen Damen geflogen oder hätte mir den Ellenbogen vom Vaterfigur vermissenden Flugangsthasen oder vielleicht doch einfach ein bisschen schwulen Mitflieger in die Seite rammen lassen, aber da, da war ich echt froh, dass der sich erst jetzt am Boden ausgekotzt hat. Weil Banknachbar so richtig kotzen, da hilft auch Notausgangs-Sitz nicht mehr wirklich allzu viel.

Fliegen ist so höllisch abenteuerlich, dass ich jetzt ganz froh bin wieder ordentlich langweilig im blue truck unterwegs zu sein.

Angekommen im bunten Cartagena

Montag, 12. November 2012

Mexico - Colombia - Mmmmhh

Der blue truck ist noch in Veracruz - Mexico. Ich bin in Cartagena - Colombia. Und meine auf'm Flug verloren gegangene Reisetasche irgendwo dazwischen.



Da guckt man dann plötzlich ganz blöd aus der Wäsch!




Sonntag, 11. November 2012

Adios Mexico! - Muchas Gracias!

Meine letzten Stunden in Mexico. Mein Dank geht an die Menschen dieses fantastischen, bunten Landes. Immer wieder wurde ich überrascht, immer wieder freundlich empfangen, immer wieder fröhlich begrüsst. Spannend, interessant war es jeden Tag den ich auf mexikanischem Boden unterwegs sein durfte. Aber auch nachdenklich, unverkennbare Armut, Kinder, Kinder, Kinder - überall. Nicht immer geht es ihnen gut, nicht immer haben sie Schuhe, Essen oder dürfen zur Schule gehen. Oft leben sie mit ihren gleichalterigen Kumpels als Strassenkinder irgendwo im Schatten einer Kirche, putzen Schuhe, verkaufen irgendwas, betteln - vielleicht auch klauen - sich durchs Leben. Und trotz der oftmals harten Lebensbedingungen, beinahe ausnahmslos begegnen Dir die Menschen fröhlich, freundlich. Etwas was wir in der Schweiz leider nicht immer kennen. Das Leben in den Gassen, den Strassen, auf den Märkten am Busbahnhof oder auf den prächtigen Zocolos, Jardins, Plaza Majors ist bunt-fröhlich und immer gibt's irgendwo ein Grund zum Feiern, ein Fest, Musik.

Muchas Gracias - Mexico! 

Kind einer Strassenverkäuferin in San Cristobal de Casas, Chiapas

Machos in einer Bar in Oaxaca

Mueseo de los muertos, Guanajuato

Carrera Panamericana, Tagesziel Guanajuato

Buntes Guanajuato

Ein morgen im botanischen Garten in San Miguel

Dia de los muertos, San Miguel

Überall krabbeln die coolen Mexico Käfer

Dia de la Revolucion, San Miguel

Schönheitsprinzessinnen in San Miguel

San Miguel

San Miguel

Pause in Guanajuato

Untergrund von Guanajuato

Roadie in Taxco

bunter 50er Jahre Amischlitten

Campeche

Adios!


Samstag, 10. November 2012

Herzliche Grüsse


Von meinem letzten ganzen Tag in Mexico, morgen setze ich mich in den Flieger und übermorgen werde ich in Kolumbien ankommen, schicke ich Dir, liebe Blogleserin, lieber Blogleser, herzliche Grüsse und wünsch Dir ein schönes Wochenende. 

Freitag, 9. November 2012

Ganz ohne Zitronen

Als langjährige Blogleserin oder als häufiger Blogleser kennst Du meine kleine Geschichte "Gotta Take The Lemon" von den ersten Wochen meiner Reise, hoch oben im Nordosten der USA. Heute deale ich wieder mit dem Zoll. Nur diesmal nicht mit Elvis' Best Haar-Gel Zöllnern, sondern mit zwei jungen mexikanischen Chicas. Die kommen aber nicht so schnell, die Mexikanerinnen. Zusammen mit Victor und Victor, meine zwei treuen und fleissigen Zollangenten von Beristain, braten wir ziemlich lange in der Sonne am Hafengelände und warten und warten bis die Girls endlich kommen. Sie meinten dann, sie hätten gewartet und geglaubt sie würden von uns abgeholt. - Natürlich eine nette Vorstellung die zwei abzuholen, vielleicht nicht für eine Zoll-Revision.

Sie sind sehr interessiert, die schlanke Hübsche bleibt draussen, die ein bisschen kompaktere Rundliche klettert in den blue truck und zusammen mit ihr geht's sozusagen in die Pfanne. Die, die will nämlich alles sehen, Pfannen, Tassen, Kocher, ich erkläre wie das Hubdach funktioniert, wo ich schlafe, wie ich koche, was ich esse, was in welcher Staubox ist, wie lange ich schon unterwegs bin, wohin es noch geht. Die hübsche Schlanke steht draussen an der unbarmherzig brennenden Sonne und lässt sich vom etwas scheuen und jungen Soldaten unbeholfen anflirten. Claudia, so heisst die, mit der ich drinnen bin, macht mit einer kleinen Digicam Photos von allem, jede Box die ich aufmache wird mit einem Bildchen festgehalten. Nicht für sich, wie sie wieder und wieder betont, sie sei mit all dem cool, aber ihre Chefin, die wolle das dann sehen, bevor sie die Ausfuhr absegne.

Die Flirtchancen des Militäres sinken sturzflug-verdächtig schnell. Jetzt kommt doch noch die mexikanische Version von Elvis' Best Haar-Gel daher, schnittig, aber nicht so streng wie die Uniform seines US-Pendent aber halt schon viel cooler als der Kämpfer vom Soldaten, sitzt das weisse Hemd und ein dunkelblaues Gilet, Typ Indiana Jones, über dem kräftigen Oberkörper des jungen Hundeführers. Und eben, reichlich, reichlich Gel im schwarzen Haar, soviel, dass es schon fast wieder schwul aussieht, aber hier scheint das die ultimative  Macho-Männlichkeit auszustrahlen. Sonst hätte kaum jeder zweite Mexikaner so eine schlabbrig-schmierige Haarpracht. Die Chicas jedenfalls sind sichtlich erfreut wie sich der gegelte Bursche locker vom Pick-up Truck schwingt. Der Hund, eine Art Bonsai-Deutschen Schäfers, klettert begierig über den Fahrersitz des Toyotas, schnuppert alles im Fahrerhaus des blue trucks ab. Dem scheint mein Auto auch zu gefallen, ein paar angelaufene Flecken von seiner nassen Nase an der Frontscheibe und fröhlich schwänzelt er vor sich hin. Das Publikum draussen vor dem Auto, die rundliche Kleine, die schlanke Hübsche, Victor und Victor, der Wächter vom Hafen-Areal und der brave Soldat und ich, alle stehen wir schweigend und gespannt da, dem Kommenden harrend. Was meint wohl das Hündchen? Gibt es an, oder nicht? Der Soldat nestelt ein bisschen an seinem Gurt rum, an dem in einem Lederetui unverkennbar ein Pärchen Handschellen baumeln. Ob die gleich zum Zuge kommen und er mich damit vom Hafengelände führen darf? Action, endlich! Aber das Hündchen klettert ohne wirklich anzugeben raus. Ein bisschen am Chassis entlang schnuppern und ab geht's, dort wo eben noch La Señorita Aduana sich für mein Bett und meine Pfanne interessierte, da schnuppert jetzt der Bonsai-Schäfer, dicht gefolgt vom schicken, die Chicas beeindruckenden Hundeführer. 

Ich denke an die letzten verbleibenden Möckchen von trockenem Hundefutter, die ich immer für die Streuner dabei hab. Und stell mir vor wie der Bonsai-Schäfer da plötzlich angibt als wär's ein Paket Koks. Er schnuppert, und schnuppert, und schnuppert, mit seinen Pfötchen klettert er höher und höher, unwahrscheinliches Interesse weckt bei ihm die offene, abgetaute und ausgeschaltete Kühlbox. Der riecht wohl noch das letzte Steak. Er schwänzelt fröhlich, also der Schäfer, nicht der Hundeführer. Und alle beide kommen raus. Die beiden Zoll-Mädchen, der Hundeführer, Victor und Victor, der Wächter vom Hafen und ich, alle scheinen zufrieden. Nur der Soldat, der hätte gerne auch was gemacht, der hätt' gern dem Schönling-Hundefüher die Schow gestohlen und bei den Mädchen so richtig Eindruck gemacht und Handschellen und Schlagstock gebraucht. Wurd' aber nix. Ich installiere eilig mein "RoRo nöd Chlauä" Kit und Minuten später krabbelt die unfreiwillige Zweckgemeinschaft auf die Brücke eines Nissan Pick-ups der uns zum Ausgang des Areals chauffiert. Händchen schütteln, ein paar Formalitäten austauschen, die Aduana Chicas und der Soldat verschwinden im schwarzen Jeep. Der Areals-Wächter in seiner Leuchtweste im Wachhäuschen. Der Hunde-Elvis wartet auf seinen nächsten Einsatz, Victor und Victor und ich krabbeln auf die Sitze des Chryslers von Beristain und düsen davon. Stunden später erreicht mich das E-Mail, dass auch die Chefin der dünnen Hübschen und der runden Prallen mit den Photos happy ist und die endgültigen Papiere ausgestellt würden. Das Schiff, das kommt erst am 11. November. Bis dahin bleibt der blue truck im Hafen-Sicherheitsareal, gleich neben ihm schlummern übrigens zwei britishe Original Mini's. Gewohnte Gesellschaft für den blue truck, sicher haben die drei sich was zu erzählen.




Mittwoch, 7. November 2012

Am Stuhl gerüttelt

Dass es ab und an einen gibt, der einen ein bisschen am Stuhl sägt, dass kenne ich aus meinem Leben vor dem Reisen, der Zeit als Workaholic und vollgas im Business ganz gut. Aber am Stuhl rütteln? Heute hat keiner an meinem Stuhl gesägt, aber obwohl die Ursache weit weg von meiner momentanen Lokation lag hat mir heute der Stuhl in meinem Hotel Zimmer gerüttelt als die Erde im Pazifik vor Guatemala bebte

Noch habe ich nichts davon in den News gehört oder im Netz gelesen und frage ein, zwei Menschen, ob sie die Erschütterung auch gespürt hätten. "Ah - eso? Nada mas que un temblor..." - Ach das, nichts mehr als eine kleine Erschütterung, meinten die Leute entspannt, im Land an der Pazifischenplatte, dem Land von Vulkanen und Erschütterungen kümmert sich um so was niemand ernsthaft. Erst später, das Bild in meinem Hotelzimmer hängt noch so schräge wie gestern Abend nicht, erst später am Tag wird dann auch hier mein Stuhlrütteln ein Thema das es in die News schafft. 



Apropos allerlei Natur-Widrigkeiten gehören  unsere Gedanken heute Nacht nicht nur zu jenen Menschen an der Pazifik-Küste von Guatemala, Mexico und El Salvador sondern auch zu denen im Nordwesten der USA, gerade wieder an den meisten Orten Wasser (aus der Leitung, nicht vom Himmel oder vom überlaufenden Meer), Gas und  Strom nach Sandy, schon stürmt und schneit es wieder wie wild. Oder wie eine ehemalige Arbeitskollegin die im betroffenen Staate New Jersey lebt auf Facebook so treffend schreibt:  "Any person who disputes global warminig and its effect on weather patterns has a few screws lose" - Jede Person die an der Klima-Veränderung und ihren Folgen zweifelt hat ein paar Schrauben locker. 

Guten Morgen nach Europa. Good Luck and a safe and good night in den Nordosten der USA und genau so an die Pazifikküste Süd-Mexicos und Zentralamerikas. 


Eine Seefahrt die ist lustig!


Na da hoff ich mal, dass das auch für den blue truck so läuft. Heute wird er gründlich gewaschen und alles wird vorbereitet für die Seefahrt von Veracruz in Mexico nach Cartagena in Kolumbien und dass er nicht wie im Liedchen, dass Du Dir wenn Du den link im Titel angeklickt hast grad anhörst, über die Reling kotzt. 


Source: www.shipsandharbours.com

Das ist die MV Toronto, in dessen voluminösen Bauch der Toyota am Samstag rollen wird und erst am 17. November in Cartagena wieder rauskommt. Da Wallenius Wilhelmsen leider keine Passagiere akzeptiert, werde ich die relativ kurze Strecke aufwendig und etappenreichen per Flugzeug zurücklegen. In Veracruz einsteigen, via Mexico City nach Bogota und von dort fliegts wieder nordwärts, wo ich dann schlussendlich über 17 Stunden später (hoffentlich) in Cartagena aussteigen werde.   

Noch viel wichtiger ist aber, dass dann auch noch alles drin und dran ist im blue truck. Die RoRo Verschiffungen haben einen schlechten Ruf was das Beklautwerden angeht. Aus diesem Grunde habe ich noch in San Miguel mit meinem existierenden Zeugs reichlich gebastelt. Schön wurde die Trennwand zwischen Fahrerhaus und "Wohn-/Schlafzimmer" nicht, aber ich hoffe es wird zweckmässig. Auch für die Hecktüre habe ich eine Lösung gebastelt, welche ich nach Abfertigung im Zoll morgen Vormittag installieren werde. Drück mir mal schön die Daumen, dass dann in Cartagena noch alles drin ist. Danke!


Die Trennwand, Sicht von hinten nach vorne Richtung Fahrerraum.


Obere Hecktür- und Schlossblockierung.

Falls Du selbst Dein Fahrzeug von Veracruz aus verschiffen willst, folge meinem englischen Blog, dort wird es unter der Rubrik Tipps + Tricks bald eine Zusammenstellung mit Infos für die Verschiffung ex-Veracruz geben. Falls Du von sonst wo zu verschiffen planst, dann besuche die hervorragende Seite www.panamericanainfo.com wo es nebst Verschiffungs-Infos auch sonst jede Menge Wissenswertem und eine Vielzahl nützlicher Links gibt. 

Dienstag, 6. November 2012

Bin ich jetzt in der Schweiz?


Na also wenn es so neblig ist, dann fühl ich mich im Herbst als einstiger Schweizer Mittelland Bewohner ja schon fast heimisch. Auf dem Schild steht übrigens, man solle seine Bremsen prüfen, da eine gefährliche "Downhill" Strecke folge. Mir wär fast lieber gewesen, die Fahrer hätten ihr Licht geprüft. Korrekte Fahrzeugbeleuchtung gehört nicht eben zu den Core Kompetenzen der Mexikaner. 


Wenig später verschwand dann der einzige den ich noch sehen konnte in noch dichterem Nebel. Als dann auch noch ein nicht beleuchteter Schneckentempo-Laster vor mir den Hang runterkriecht besteht der blue truck gerade eben mal den Elchtest. So wurde es dann halt doch noch dunkel, bevor ich gestern Abend in Veracruz ankam und ich habe eines der wenigen Male mein Prinzip über'n Haufen geworfen nicht im Dunkeln rumzukurven. 


Dieses schnittige Gefährt überholte ich ein paar Stunden bevor ich in den Bergen bei Orizaba so im Nebel versoff. Bleibt mal zu hoffen, dass der gute Mann eine anderes Ziel hatte und mit seinem Chassis nicht durch das sich nach Mexico verirrte nebel-nasse Schweizer-Wetter fahren musste.

Unterdessen in Veracruz bei fantastischem Wetter, genau so wie man es sich für Mexico vorstellt.

Wenn der Duden sprachlos ist



...ratlos...


....nur radlos, das kennt der Duden nicht.

Die Mexikaner schon.



Ich bin aber gut in Veracruz angekommen. Und der Toyota hat noch alle fünf Räder. 

Montag, 5. November 2012

On The Road Again




Morgen geht meine Reise weiter und ich werde das gemütliche San Miguel de Allende einmal mehr verlassen. Dieses Mal wohl für längere Zeit, die Fahrt am Montag wird mich nach Veracruz bringen, dort wird dann der blue truck Ende Woche von der MV Toronto einem fast 300 Meter langen Dampfer verschluckt und erst ein paar Tage später in Cartagena, Kolumbien wieder ausgespuckt. 

Morgen bekommt der Toyota also wieder Asphalt unter die Räder. Falls Du Bilder des blue trucks on the road sehen willst, die gibt es HIER. - Viel Spass und gute Fahrt!


Samstag, 3. November 2012

Dia de los Muertos

Na, wenn der Tod so härzig daher kommt, 
dann braucht man sich ja sicher nicht zu fürchten!

Mexico kennt ein ganz anderes Verhältnis zum Tod als wir uns das in den europäischen Ländern und im nicht lateinamerikanischen Christentum gewöhnt sind. Der Tod ist ein Teil des Lebens und wird als solcher auch gebührend gefeiert. Dies passiert alljährlich während den Dias de los Muertos, den Tagen der Toten. 


Während diesen Tagen kehren die Toten zurück.


Dafür werden die Städte hübsch gemacht...


...wie hier in San Miguel wo tausende von Scherenschnitten mit Todesmotiven am Jardin, dem Hauptplatz der Stadt aufgehängt werden. 


Überall in der Stadt, in Privathäusern, auf Plätzen, Gärten und Parks werden...


...Ofrendas, Altare für die Verstorbenen aufgebaut....


...Totenmannli aus Pappmaché verzieren viele der Ofrendas...


...am Boden werden mit Reis, Bohnen, Blumen und Samen Totenbilder gezeichnet. 


In der Nacht des 1. Novembers ziehen die Totengestalten durch die Gassen.



Keiner zu klein ein Toter zu sein.


Mit Theater, Konzerten und Veranstaltungen wird der Tod und die Wiederkehr der Toten thematisiert.


Für kurze Zeit wird die Gruft unter der Kathedrale geöffnet.


Den Verstorbenen wird gedacht, diesem Herrn werden nicht nur Süssigkeiten bereitgehalten für seine Rückkehr, der Glückliche erhält auch reichlich was zu rauchen und ein Bierchen mit dazu. 


Auf den Friedhöfen findet reges und vor allem buntes Treiben statt. Alles ist farbig dekoriert, von überall tönt Musik, es riecht nach Grilliertem und Bier wird gereicht. Für ein paar Pesos sorgen Kinder mit Eimern dafür dass die Blumenpracht nicht vorzeitig verwelkt. Zusammen mit den wiederkehrenden Toten wird gefeiert, musiziert, gesungen, gegessen auch geweint und gehadert.


Die Angelitos, die kleinen Engel, die Seelen der Verstorbenen Kinder kommen in der Nacht von Allerheiligen zurück und werden auf den Friedhöfen oder in den Häusern empfangen, mit Spielsachen und Süssigkeiten.


In der Nacht des 2. Novembers trifft sich alles auf dem Friedhof, mit Musik, Essen und Bier werden dann die Verstorbenen verabschiedet, die Angelitos wie auch die Seelen der Erwachsenen verschwinden um Mitternacht wieder. Erst in einem Jahre kehren sie zurück und sorgen von neuem für ein buntes Fest und freudige wie traurige Momente.


Am 3. November sind sie verschwunden, die Totengestalten in den Strassen.



Noch ist die Stadt für einige Tage...


...bunt verziert.

Der mexikanische Umgang mit dem Tod und den Toten ist enspannt, schön, bisweilen richtig fröhlich und verzaubert auch mich mit seiner Magie, ein buntes Gemisch von Trauer, Fest und Feiern und vor allem Gemeinsamkeit im Kreise von Verwandten und Freunden.  



Schau Dir weitere Bilder vom Dia de los Muertos und von der prächtigen Stadt San Miguel HIER in der Photo Galerie an.