Montag, 16. Februar 2015

Grimaldi Tag 24: "Oh, thisä wasä nothingää..."

10. Dezember 2014: 
Nach dem Frühstück plaudert der Kapitän ein wenig mit uns und lässt uns wissen, dass wir ab der Küste vor Portugal mit rauer See rechnen müssten, er hätte die Geschwindigkeit verlangsamt, da die Prognose auf besseres Wetter hoffen lasse, wenn wir nicht zu schnell in dieses Gebiet vorstossen. Ausserdem lässt er uns wissen, dass wir sobald die Schaukelei beginnt, nicht mehr nach draussen gehen dürfen. Zu gefährlich sei es, dass man vom unerwarteten Richtungswechsel der Schaukelei erfasst, das Gleichgewicht verlieren und dabei versehentlich über Bord geschleudert werden könnte. Die Meldung sorgt für einige Spannung unter den Passagieren, Gerhard will wissen, wie hoch die Wellen dann sein werden. Der Kapitän sagt, dass er etwa siebeneinhalb bis neuneinhalb Meter erwarten würde. Olivier will wissen von wo denn die Wellen im Verhältnis zum Kurs des Schiffes kämen, der Kapitän überlegt kurz, bevor er mit der einen Hand das Schiff mimt, mit der anderen die stürmischen Wellen, welche das Schiff von Nordosten her treffen würden und dafür sorgen würden, dass der Kahn meist zuerst am Bug auf die Welle steigt um sich dann über die Seite über die Welle abzurollen und so für eine ständige Mischung von Nick- und Rollbewegungen sorgen würde. Wie hoch denn die Wellen zurzeit wären? Olivier, der fragt. „Oh, thisä was nothingää, onäly somä two meter andä halfä!“ gestikuliert unser Chef. Über zehn Meter hätten sie letztes Mal zwischen Tilbury in England und Antwerpen gehabt, damals, als zehn Container von Deck gefegt und in den Ärmelkanal gespült wurden. Kein Problem, beruhigt der kleine Mann, keine sonderliche Herausforderung für das tonnenschwere Grimaldi Schiff, das dafür gebaut sei, aber wir sollten trotzdem sicherheitshalber vor allem in der Kabine bleiben, und auf keinen Fall nach draussen gehen.

Beim Abendessen doppelt er dann nach, ab Morgen Vormittag ist es verboten, nach draussen zu gehen, sobald das Geschaukel losginge. Oliver fragt ob er das dann über den Lautsprecher melden würde, damit wir wüssten ab wann wir nicht mehr nach draussen könnten. Der Kapitän lacht und fuchtelt, das würden wir doch wohl bestimmt selbst merken, wenn es schaukle, Oliver nickt verlegen, von da an eben sei es fertig mit auf Deck gehen.


Nur ganz gering und mit viel gutem Willen kann ich während der Nacht ein Zunehmen des Schaukelns spüren. 

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