Samstag, 16. Juli 2011

Ein Magic Ball – macht mich happy

Nadja, Marcel und ich sitzen im Vistors Center im Denali National Park. Wir sind unterwegs auf unserer Bus Tour zum Wonder Lake. Für die Mittagszeit gönnt man uns eine Pause vom endlos brabbelnden Bus-Chauffeur-Tour-Guide. Noch spät letzte Nacht hat uns Nadja feine Sandwiches zubereitet die unterdessen ihren Weg in unsere Bäuche gefunden haben. Wir sitzen auf einem Bänklein plötzlich spaziert ein kleines indisches Mädchen, dick eingepackt in eine pinke Windjacke mit Lilla Müsterchen vor uns vorbei. An ihren Handgelenken baumeln kleine violette Fausthandschuhe. „Hoi“ sage ich, als sie vor uns stehen bleibt. „Hello“ sagt sie und guckt mich mit ihren grossen, hübschen, dunklen Augen an. Ich beuge mich etwas vor und erkundige mich, was sie denn da halte als ich sehe wie sie einen kleinen Tannzapfen wieder und wieder in ihrem Händchen dreht, die andere Hand fest geschlossen, etwas mir noch unbekanntes beschützend verborgen haltend. „Look feel it, it’s all soft“ sie streichelt fein über den kleinen Tannzapfen und gibt ihn mir in die Hand. Tatsächlich vom stundenlang in den kleinen Händen rumgedrückt werden ist der Tannzapfen weich wie eine Entenfeder. „Oh yeah, it is really soft“ und ich lege ihn ihr wieder ins rechte Händchen. Jetzt streckt sie mir ihre linke flache Hand hin und präsentiert einen unsymmetrisch geformten runden Ball aus Kerzenwachs. „This is a magic ball“ ein magischer Ball erklärt das kaum vier Jahre junge Mädchen und guckt mir tief in die Augen. „When you hold it, you will be all happy.“ Wenn Du diesen Ball fest hältst, wirst Du ganz glücklich, versichert sie mir und umschliesst den Magic Ball mit ihren kleinen, dunklen Fingern. „Do You wanna hold it too?“ Möchtest Du ihn auch halten fragt sie mich – “oh yes, I would love to” sehr gerne, sage ich und strecke meine flache rechte Hand hin. Vorsichtig legt das Mädchen den von ihren Händen warme und mit ihren vielen kleinen Fingerabdrücken verzierte Magic Ball in meine Handfläche und schliesst ihn meine Finger drückend in meiner Faust ein. „Do you feel it? Now you are all happy“ spürst Du es, fragt sie und beantwortet ihre Frage gleich selbst, jetzt bist du ganz glücklich! Ich bedanke mich, der Magic Ball findet wieder zurück in ihr kleines Händchen und in die Gesellschaft des eigenartig weichen Tannzapfens, das herzige kleine Mädchen mit den grossen dunklen Augen zieht von dannen und schliesst sich ihrer Gruppe von Erwachsenen an.

I am happy.



It wasn't Harry! - When the blue truck met Sally



Also in die Sally hat sich der blue truck fast ein bisschen verguckt. Aber er respektiert natürlich die zweifellos feste Verbindung zwischen Rock und Sally. Und selbst wenn Rock die Sally mal ein bisschen alleine lässt, der blue truck hätte nicht das Zeugs sie abzuschleppen. Fehlt ihm eine gemütliche Pick-Up Brücke um mit Sally anzubandeln. Also - auch wenn sie im gefiele, es bleibt bei 'ner Freundschaft.

In einem sind sich Rock und der blue truck einig: Sally rocks! - Manchmal sind Freundschaften besser als Liebschaften. 

Auf das Sally und Rock, Euch, liebe Nadja und lieber Marcel, noch viele Meilen sicher, gesund und unfallfrei über die Strassen Alaska's, Canada's und der USA begleiten möge. 

Good Luck!

Heisse Quellen - coole Freunde! Ich treffe Nadja & Marcel


Nadja, Marcel und ihre Sally

Fantastisch gesellige Tage, wunderbares Essen und ganz liebe neue Freunde stehen mir, nichts ahnend, bevor als ich an jenem regnerischen Juni Tag auf den Campground der Chena Hot Springs Kurve. Nach einer kurzen Tour mit dem Mountainbike bastle ich mir etwas zu Mittag, als mich plötzlich Nadja ganz fröhlich vom Strässchen grüsst. Ein kurzer Schwatz, fertig kochen Essen und schon sitzen wir dem Wind & Wetter trotzend bei Nadja & Marcel Bier trinkend unter dem Vordach. Alsbald wird es ungemütlich frisch, wir zügeln hinein und ich geniesse die wohlige Gemütlichkeit von Sally zum ersten Mal. Sally ist die Freundin von Rock, Rock ist das Zugpferd oder der Stier? Ein wunderprächtig brubbelnder, bisweilen schreiender Dodge Ram V8 Pick-Up Truck. Sally ist ein kleiner, mit allem Nötigen ausgestatten Wohn-Sattelauflieger. Das zu Hause von Nadja und Marcel.

Ist das gemütlich! So in einer richtigen Sitzgruppe einander vis à vis zu sitzen. Wir werden gar nicht mehr fertig mit unseren Geschichten vom Reisen, von zu Hause aus der Schweiz, was Nadja & Marcel angetrieben hat diese Reise zu machen und was für mich der Auslöser war. Gespannt verfolge ich ihre Erzählungen zu den Erfahrungen in Zentral Amerika, die Geschichte als sich Campo, der lange treue Gefährte von Sally, der schon aus der Schweiz mitreiste, eines Motorschadens wegen scheiden liess. Wie sich Sally schnell in den amerikanischen Macho Rock verknallt hat und sich jetzt gerne mit dem kräftigen V8 Drehmoment über die Hügel bugsieren lässt. Sally liess sich sogar noch die Beine verlängern und hat ein höheres Fahrwerk bekommen damit sie mit Rock auf derselben Höhe liegt. Welchem Girl würden ein bisschen längere Beine nicht gefallen?

Es ist früh am Morgen, als ich mit viel Bier und Wein Intus wieder zu meinem blue truck torkle. Die nächsten Tage reisen wir gemeinsam, nicht ganz aber wir verabreden uns immer mal wieder an einem Fix Punkt und treffen uns so wieder in Fairbanks, wo wir bei Wal-Mart campieren, im Denali wo wir uns beim Visitors Center treffen und am nächsten Tag, gemeinsam  - Rock sei Dank, dass es auch gemeinsam wurde, ich bin nämlich ohne das am Vortag gebuchte Ticket in der Tasche losgezogen, durfte dann aber Rock ausleihen um zum Campground zurück zu düsen um mein Ticket zu holen, Nadja hat meine Misere dem Tourbus-Driver beigebracht und mit wenigen Minuten Verspätung aber mit mir im Bauch donnert der Bus los in den National Park - eine Tour zum Wonder Lake. Der Driver plaudert ohne Ende, uns wäre lieber wir könnten ein bisschen öfter dem Surren des Heizgebläses zu hören als dem endlos plaudernden Piloten. Es ist ein kalter, regnerischer, grauer Tag. Am Abend essen wir gemeinsam im Restaurant. Und Trinken gemeinsam noch einen Espresso und einen Grappa in der gemütlichen Sally.

Nadja & Marcel gehen am folgenden Tag noch Huskies gucken, ich ziehe los Richtung Süden um kurz danach dann den Denali Highway Richtung Osten zu fahren. Eigentlich bin ich mir zu diesem Zeitpunkt sicher, dass wir uns mit den relativ wenigen Strassen in Alaska nochmals spontan treffen werden. Ob das wirklich wird – ich zweifle aber hoffe. Die gute Gesellschaft, die geselligen langen, alkoholschwangeren Abende in der gemütlichen Geborgenheit von Sally fehlen mir die nächsten paar Tage ein bisschen. Mit meinem Schwenker nach Osten und dann nach Valdez habe ich wo möglich die Chance Nadja & Marcel bald wieder zu treffen vermasselt. Schade. Aber sowieso freue ich mich irgendwann, irgendwo die beiden wieder zu treffen. Weit mehr als feines Essen, gutes Trinken und das Reisen haben diese neue Bekanntschaft zur Freundschaft werden lassen.         


Freitag, 15. Juli 2011

Kreis 5 Treffen in Inuvik - Dempster Highway - Teil Zwei


Dempster südwärts
Am Abend, als ich mein Plätzchen bezog und bei Vern vorbeischaute um zu hören, dass ich sicher müde sei. Er aber gleich ehrlich nachdoppelt er möge keinen Papierkram mehr machen heute Abend, spaziere ich an einem eigenartigen Plätzchen vorbei. Ein regennasses, ein bisschen offenes Kuppelzelt steht in einer Ecke. Zwei holzige Polsterstühle, einer mit grünem Polster, der andere mit violettem Polster, so Typ 80er Jahre Sitzungszimmerstuhl, stehen vor der Lastwagenfelge, die mit aufgeschweisstem Grill als Feuerstelle dient. Dienen würde, darin befindet sich ein Haufen leerer Bierdosen. In der Nacht und auch am frühen Morgen als ich noch in der Sonne sass und mein Bierchen trinke kommt dort niemand mehr an, ich mutmasse, dass da wahrscheinlich jemand wohnt, der Schicht arbeitet und deshalb gar nicht „zu Hause“ ist.

Inuvik at night
Rühreier mit Tomaten, Schinken, Peperoni, mein letztes Stück einigermassen normales Brot und ein Stückchen Gruyère, ja wirklich, richtigen Gruyère made in Switzerland, den hab ich vakuumverpackt in Calgary gekauft und wohlbehütet in meiner Kühlbox bis hier her chauffiert, verzehre ich zum Zmorgä. Als mit dem typischen Pfuddern eines gut durchgerosteten Auspuffs ein alter Ford Minivan mit einer grossen Runde vor den Sitzungszimmerstühlen halt macht. Markus steigt aus, inspiziert kurz sein Camp und steuert dann mit einer elektrischen Handkreissäge in der Hand auf mich zu. „You look like a guy who has everything - do you have electric tape?” Es ist Sonntag, die Läden sind geschossen, mindestens bis Mittag. Viele davon gibt es in Inuvik eh nicht. Den letzten Bissen meines Frühstücks schluckend krabble ich in den blue truck und hole meine Reparaturkiste heraus. Ich reiche Markus mein blaues Isolierband, noch in der Schweiz gekauft und verstaut. Während er das Kabel seiner Maschine repariert plaudern wir, er ist eigentlich aus den Niederlanden, kam aber als 4 Jähriger mit seinen Eltern nach Kanada. Wie ich möchte er bis nach Argentinien reisen. Er hat aber kein Geld gespart und jobbt sich so durch den Trip. Hier oben im Norden hat er nun einen sehr gut bezahlten Job gefunden, Überzeit wird mit 50% Zuschlag entschädigt und er kann so viel arbeiten wie er will. Am Montag geht dann sein Job dort los und heute muss er eben noch einige Schreinerarbeiten für einen Kunden fertig machen, die er zuvor in Eigenregie gemacht hatte, bevor er den Job fand. Er wohnt jetzt im Arbeitercamp, das ist ein Containerdörfchen, von denen gibt es hier im hohen Norden immer wieder welche, einmal für die Strassenbauer, einmal für die Menschen die in Mienen oder auf Oel- oder Gasförderanlagen arbeiten. Deshalb also das verlassene Camp. Die Maschine ist repariert, er geht sie im Duschhäuschen ausprobieren und anscheinend funktioniert sie. Er packt seine Sachen zusammen, ich fahre hoch zum Eingang und suche Vern. Ich plaudere ein wenig mit ihm, über seinen Job, er ist für diverse Campgrounds zuständig die dem Staate gehören, wohnen tut er aber hier in seinem Wohnwagen. Der Job gefällt ihm, „…the money is good too…“  aber er sei nicht hinter dem Geld her, ich soll ihm einfach 5 Dollar geben, das sei was er eigentlich für die Tagesgäste, die einfach zum Grillieren oder so in den Park kommen verlangen müsse. Ich gebe ihm einen 5er, der verschwindet unter der Theke – Papierkram braucht Vern auch am Morgen nicht zu machen. „The money’s good…“

Zusammen mit Markus fahre ich in die Stadt, wir stoppen bei seinem Camp, stellen die Stühle in die Sonne und hängen sein nasses Zelt und den Schlafsack auf. Das Camp ist richtig gross, hat eine grosse Kantine, einen eigenen Security Guard der mit einem Bierchen vor dem grossen Flatscreen TV amerikanische Soaps guckt. Sein Zimmer ist klein und praktisch eingerichtet, Bett mit Kästchen darüber, einen fix eingebauten schmalen Schreibtisch, ein Schrank. Er habe Glück, nicht alle hätten ein Fenster. Es erinnert mich an die Kojen die ich hatte als ich noch auf Schiffen für Sulzer gearbeitet hatte. Nun gibt mir Markus eine kleine Inuvik-Tour, wir besuchen sogar die Kirche, eigentlich die einzige Sehenswürdigkeit in der Stadt. Eine grosse Holzkuppel-Konstruktion, sozusagen ein Igloo aus Holz. Es ist Sonntag und Messe, ein schwarzer Priester brabbelt erregt seine Predigt, ich verstehe nur jedes zehnte Wort das zwar erstaunlich laut aus seinem kaum je geöffneten Mund sprudelt. Leise schleichen wir uns wieder aus der Messe. Markus erzählt mir, dass er zuerst hier in der Stadt auf dem Camping war. Es gibt zwei Plätze in Inuvik, einer direkt in der Stadt, der andere, der Jag-Campground, den ich gewählt hatte, etwas südlich vom Städtchen auf einer Anhöhe. Er sei eigentlich mit seinem Kumpel unterwegs, mit dem reist er eben und möchte ja mit seinem Ford bis nach Argentinien. Nun liegt der aber in Whitehorse im Spital, also der Kumpel. Als sie auf dem Stadt-Camping waren, wurden sie irgendwie in eine Streiterei mit Jugendlichen verwickelt, die ihnen ein Bierchen abnehmen wollten. Markus rennt zur Telefonzelle um die Polizei anzurufen. In dieser kurzen Zeit richten die Jugendlichen seinen Kumpel so arg zu, dass er mit dem Flugzeug nach Whitehorse geflogen werden muss. Bin mir nicht ganz sicher mit den medizinischen Begriffen die er mir erzählte, Hirnschlag oder so, Schlüsselbein gebrochen, Schulter ausgerenkt, Unterarm gebrochen. Unschön – schon auf der kleinen City-Tour sind mir die betrunkenen Indianer aufgefallen. Sonntagmorgen gegen elf – trostlos. Wir fahren zur Tankstelle, ich fülle Diesel auf, Markus wechselt mit dem rostigen Wagenheber der Tankstelle dort im Dreck ein Rad. Während dem Tanken spricht mich Yvi an, Yvi aus Zürich und schon gesellt sich auch Nando dazu. Lustig - beide arbeiten im Kreis 5, in Zürich dort wo ich viele Jahre wohnte. „See you in Argentina!“ verabschiedet sich Markus aus dem offenen Fenster, des nicht gerade viel Vertrauen auf dieses Wiedersehen erweckenden Ford, das Fahrwerk knallt in eine Pfütze, der Auspuff blubbert überall raus, bloss nicht aus dem Endrohr und schon ist Markus weg. Yvi, Nando und ich plaudern lange. Sie verbrachten die Nacht auf dem City-Camping-Platz  und erzählen mir, dass sie sich dort nicht wirklich so wohl gefühlt hätten, der Platz sei zwar bewacht gewesen, respektive hätte die Polizei dort patrouliert. Wohl ein Resultat von Markus‘ unerfreulichen Geschichte. Wir gehen noch einkaufen, unterdessen hat nämlich ein Laden für den Nachmittag geöffnet. Wir verabreden uns unverbindlich für ein Treffen auf einem der Campgrounds am Dempster.

Nach den Geschichten von Markus und der kurzen Tour durchs Städtchen hält mich wenig hier. Die Sonne scheint, als ich mit einem grossen Bogen auf dem Dempster Highway am Hügel auf dem ich campierte vorbei ziehe und wieder Richtung Süden fahre. Ich halte bei einem Aussichtspunkt und mache ein kleines Märschchen. Zurück den blue truck wieder startend, denke ich auf den Highway einbiegend, dass mich Yvi & Nando nun sicher überholt haben. Klick, klick, klick ich stelle meinen linken Blinker, biege etwa eine Stunde später östlich vom Dempster ab, auf den Camping Platz wo ich mich so lose mal mit dem Zürcher Pärchen verabredet hatte. Ich drehe eine Runde. Eine im wahrsten Sinne des Wortes äusserst umfangreiche Dame in blau gestreiften Leggins, Steifen machen ja bekanntlich schlank, und im mit Spitzen bestickten, prall gefüllten BH steht vom Campingstuhl auf und guckt wer da mit leisem Dieselnageln eine Runde auf „ihrem“ Camping Platz dreht. Dunkel wird es nicht gerade, die Sonne steht hoch dort oben weit über dem Polarkreis. Trotzdem ein bleibender Anblick der nicht zum Bleiben einlädt. Keine Spur von den beiden. Wurden sie auch dermassen erschreckt vom seitenscheibenfüllenden Anblick der voluminösen Camperin? Aber ein Pärchen kann doch da nicht so erschrecken wie ein solo-reisender Mann? Yvi & Nando müssen einfach weiter gezogen sein, denke ich. Und glaube es Ihnen gleich zu tun, nichts ahnend, dass ich ihnen eigentlich immer noch voraus bin.





Auf die Fähre wartend, plaudere ich mit Einheimischen die für ein Familientreffen an diesem Sonntagnachmittag nach Tsiigehtchic fahren. Schliesslich sei Vatertag, er müsse sich feiern lassen, sagt der junge Mann als er sich in seinen grossen GM-Pick-Up Truck schwingt und kurz hinter mir auf die Fähre rollt. 


Territorial Grenze, Northwest Territories, Yukon Territories

N66°33` südwärts über den Polarkreis
Es ist schönes Wetter und ich komme gut voran, schon bald auch mit der zweiten Fähre übersetzend, von Yvi & Nando keine Spur. Allmählich denke ich, dass sie wohl doch hinter mir sein müssen und womöglich jetzt auf dem Campingplatz beim spitzenbestickten riesen BH ihre Bleibe aufgeschlagen haben. Ich fahre noch bis zum nächsten Camping, östlich, Nando hatte mir noch abgeraten und gesagt der stehe mehr oder weniger unter Wasser. Die wenigen Stunden schönen Wetters müssen geholfen haben. Nach einer Runde um sicher zu sein, dass ich die zwei nicht noch auf ein und demselben Camping-Platz verfehle, kurve ich in ein sonniges Plätzchen, ich stapfe durch den moosigen Boden und sammle jede Menge Holz, schon bald lodert ein gemütliches Feuer. Der erste Schluck des ersten Bierchens ist immer der Beste.  Nun ist es aber der letzte Schluck meines zweitletzten Bierchens der gerade meine Kehle runter fliesst, als ich den Dodge Ram von Yvi und Nando vorne auf der Einbahnstrasse die in einem grossen Bogen durch den Camping-Platz führt vorbeiblubbern höre. Ich schaffe es nicht die kurze Strecke auf der Zufahrt zu meinem Platz zu sprinten um die beiden noch zu stoppen, da ich weit hinten zwischen den Bäumen versteckt sitze, entdeckten sie den blue truck nicht. Ich renne in die andere Richtung, wenn ich schnell genug bin, erwische ich sie bevor sie womöglich denken da sie mich nicht gefunden hätten noch weiter zu fahren. Ich schaffe es - kurz nach dem ich an der Ausfahrt vorbeigerannt bin erkenne ich den Dodge mit dem grossen weissen Schneckenhäuschen auf der Ladefläche. Wir freuen uns alle drei. „Und brännt’s Für scho?“ sagt Nando zum Spass, stolz und ernst erwidere ich „…ja natürli“. Wir verbringen einen sehr gemütlichen Abend zusammen, grillieren. Yvi und Nando haben noch Kartoffeln und auch Soure Cream, so gibt es zum Steak auch noch richtig feine backed patatos. Nur Bier ist alle, die beiden suchten noch den Liqour Store in Inuvik, der ist aber Sonntag den ganzen Tag geschlossen. Ich offeriere ihnen mein letztes Bierchen, ich hatte ja schon eines gehabt. Sie schlagen das aber vehement aus und so trinken wir halt Wasser, Coci und sonst alles Alkfreies. Ein richtig schöner Abend in Zürcher Gesellschaft. Am Morgen ziehen wir weiter, die beiden sind ein bisschen schneller ready, kommen noch vorbei zum Verabschieden und auch ich starte schon bald den Diesel.

Yvi und Nando weit vor mir auf dem Dempster Hwy
Ihr Auto sehe ich nochmal, weit vor mir von einem der Flugfelder wieder auf den Highway einbiegend. Irgendwann verlieren wir uns aber wieder.

Andreas treffe ich wieder auf meiner Fahrt Richtung Süden. Er rastet gerade, logisch, dass ich stoppe. 

So begegnete ich Andreas zum ersten Mal, auf der Fahrt Richtung Norden
Wir plaudern, er erzählt von seinen Erfahrungen, von der Anstrengung, von Bären. Yvi und Nando kommen vorbei, ein kurzer Stop und ein kurzer Schwatz und der Dodge blubbert Richtung Süden. „Andreas, brauchst Du etwas? Ich kann ja in ein paar Tagen wieder einkaufen, Du bist noch lange unterwegs bis zum nächsten Shop mit frischen Sachen.“ Früchte gebe ich ihm, eine Banane verzehrt er gleich, eine geht als Vorrat auf den Anhänger. Wir füllen seinen Wassersack mit frisch gefiltertem Wasser aus dem blue truck. Yvi und Nando sei dank, dass nun auch das letzte Bierchen so seine Bestimmung findet statt gestern verschlungen worden zu sein. Es wird von Andreas sorgfältig auf seinem Anhänger verstaut. Er freute sich sehr über die Überraschung auf dem Oglivie Pass. Ich freue mich, wie er erzählt, dass er zu Tränen gerührt gewesen sei, dass ihm jemand der ihn überhaupt nicht kennt so viel Mühe machte. So freute er sich damals über diese Büchse Bier...







Überhaupt erlebt er allerhand, ein Motorradfahrer fragt ihn ob ihm den nichts fehlen würde, er meinte ein Bierchen, das wär halt schon was. Die Töfffahrer ziehen von dannen um wenig später wieder aufzutauchen und geben ihm ein ganzes Six-Pack Bier. Woher auch immer die das hatten. Ich bin gespannt dann irgendwann von Andreas zu hören. Bestimmt war seine unwahrscheinliche Reise zu Fuss auf dem Dempster von vielen spannenden Begegnungen begleitet.


Wandern im Tombstone Park

Im Tombstone Park entschliesse ich mich für eine Wanderung. Der Berg versinkt aber zusehends im Nebel und etwa einen Kilometer vor dem Gipfel gebe ich auf, genau auf der unteren Grenze einer dicken Wolke die sich wie eine gigantische Schlafmütze über den Gipfel gepflanzt hat. Bei wunderschöner stetig wechselnder Sonnen-Wolken-Stimmung kann ich von hier oben ein Stück des Highways sehen. Im Vordergrund der Fuss des Berges auf dem ich stehe, dreissig, vielleicht 40 Meter des Highways, im Hintergrund hohe mit einer Schneemütze bedeckte Gipfel, das Stückchen vom Highway glänzt in der Sonne. Ich hoffe, das Yvi und Nando jetzt dort durchfahren. Ich stapfe den pflotischigen Weg hinunter, den Highway immer im Auge behaltend, die Canon baumelt um meinen Hals. Aber nichts ist. Die beiden flitzen nicht vorbei. Das hätte sicher ein schönes Foto gegeben das ich ihnen per E-Mail hätte senden können. Aber noch bevor ich selbst wieder beim blue truck bin wird die ganze Landschaft in dicken Nebel  gehüllt und ich sehe selbst den unweit wartenden blue truck zum Schluss nicht mehr.

BT wartet im Nebel
Die letzten Kilometer beginnt es nochmals zu regnen und das Auto wird erneut richtig, richtig dreckig. Nicht dass es vorher sauber gewesen wäre. 

Dirt Road
+

Regen = Dreck


Beim Dempster Crossing, dort wo ich vor ein paar Tagen Thomas traf, Thomas aus dem Bernbiet, der vor 17 Jahren seiner Frau vor der Hochzeit sagte er müsse dann mal noch auf Alaska, ihn traf ich an der Tankstelle, als ich Richtung Norden aufbrach. Thomas ist mit dem Velo unterwegs für gut zwei Monate. In Anchorage angekommen und über den Top of the World Highway zufälligerweise genau zur gleichen Zeit wie ich beim Dempster Crossing. Nur kurz reden wir und er zieht von dannen mit seinem toll ausgerüsteten Velo. Schon eine gewaltige Leistung hier oben im hohen Norden. Die Distanzen sind enorm. Oft dauert es von einem Roadhouse zum nächsten nicht weniger lange als wenn Du mit dem Auto von St. Gallen nach Genf fährst. Dazwischen – nur Wildnis, Bären, Elche, Füchse, Bäume und Seen. Mit dem Auto, o.k., kein Problem, mit dem Velo, Chapeau! Oder gar zu Fuss, wie der Andreas – Wow.

Kurz nach dem ich für den horrenden Preis von einem Dollar pro Minute die Fenster, Schweinwerfer und Rücklichter des truck’s abgedampft habe, drehe ich rechts Richtung Nord-Westen Richtung Dawson City ab.

Eagle Plains, Parkplatz, Flugplatz, Campingplatz, Tankstelle, Hotel

Ready for take-off?


Der Run-Way war nicht lang genug für den blue truck, wir bleiben am Boden