Dienstag, 5. Mai 2015

Grimaldi Tag 31: Der letzte Tag

17. Dezember 


Na da kam ja lange nix. Ich weiss nicht so recht, irgendwie hat es ja gedauert und gedauert mit diesem, beinahe letzten Post der Reise auf der Grande Francia, dem Grimaldi Frachter. Wollt‘ ich da vielleicht einfach nicht ganz fertig machen? Fertig mit der Reise auf dem amerikanischen Kontinent. Fertig mit Grimaldi. Unbewusst alles noch ein klitzeklein wenig rauszögern? Ein Trick einfach noch nicht ganz angekommen zu sein, in dem ich eben auf meinem Blog noch gar nicht von der Grande Francia gerollt bin?

Längst nämlich in der Schweiz, fast schon wieder ein wenig angepasst. Und da kommt er doch noch, nicht der jüngste, aber der letzte Tag. Der letzte Tag an Bord der Grande Francia.

Exakt einen Monat hat die Fahrt gedauert. 17. November war es als ich zum ersten Mal einen Eintrag ins GrimaldiTagebuch notiert hatte. Heute, kein warmer frühsommerlicher und kein subtropischer Tag wie vor einem Monat, es ist der 17. Dezember. Norddeutschland. Ein nebliger, kalter, dunkler wintertag Tag fängt träge an sich auszubreiten, während die Grande Francia durch das verzweigte Netz des Hamburger Hafens an ihr Dock dirigiert wird. Es weiss niemand so richtig ob wir heute Vormittag schon vom Schiff rollen können oder nicht. Es hänge alles vom Zoll der Deutschen ab meint unser Koch, der uns heute vermutlich zum letzten Mal mit seinen selbst gebackenen Brötchen zum Frühstück begrüsst. Der bissig-nassen Kälte trotzend stapfe ich auf Deck rum und schaue dem Treiben im Hafen zu. Irgendwann flutscht ein Halbdutzend in olivgrüne Uniformen und grellgelbe Leuchtwindjacken gekleidete Zollbeamte aus einem VW Bus und marschieren im Entenmarsch über die Rampe der Grande Francia. Einer bleibt im Wagen vor der Rampe sitzen. Sein Job scheint es zu sein zu zusehen, dass da nichts rein und nichts raus kommt. Ich schau noch ein bisschen von oben zu. Die wenigen neuen in weisse „Anzüge“ gekleideten Audis die aufgeladen werden sollen sehen aus wie UFOs neben all den gebrauchten, alten Fahrzeugen die hier in Reih und Glied stehen, wohl alle bereit zur Verschiffung nach Afrika. Wenn ich so an unseren Stopp in Dakar denke. Anders als in Dakar, wo immer eifrig, oder auch nicht ganz so eifrig, rumgewerkelt wurde wenn eine der alten Gurken nicht anspringen wollte, gibt es hier einen alten, grossen Nissan Patrol der eine mächtige verstärkte Front-Stossstange mit Gummibelag hat, damit werden die Karren welche sich nicht mehr aus eigener Kraft bewegen mögen in deutscher Effizienz blitzschnell über das Dock gepusht. Vorne, im müden Auto, sitzt einer drin der lenkt und bremst und hinten im Nissan wird kräftig Schub gemacht. So geht das und schon ist die Kolonne der auf ein zweites Leben auf einem anderen Kontinent wartenden Autos um eines länger.  


Irgendwann wird es mir zu kalt. Ich steige nach unten in die Kabine, dort treffe ich nicht nur Ursi sondern auch zwei mehr oder weniger freundliche deutsche Zöllnerinnen die kopfüber in unseren Rucksäcken stecken. Sie nehmen’s genau, sehr genau. Und finden - nix. Minuten später kommt eine junge, freundliche Zöllnerin die Treppe hoch vom Fahrzeugdeck und erkundigt sich, welcher der Wagen denn hier von Bord gehen würde. „Das wären dann wir“ melde ich mich. Ich steige mit der zierlichen Frau runter zum Toyota. Dort stehen schon drei weitere Beamte und ein hübscher Golden Retriever rennt auf dem Auto Deck hinter einem Ball her und bringt ihn flink zurück zu einer Zöllnerin, im Gegensatz zum Hündchen schaut die wenig freundlich in den Tag. Die anderen begrüssen mich fröhlich-bestimmt und auch der Hund goutiert mein Tätscheln auf sein Köpfchen mit fröhlichem Geschwänzel. Die Hundeführerin kommandiert den Hund mit barschen Worten zu sich. Der zieht den Schwanz ein und pariert. Der Hund darf sich wohl nicht mit suspekten Einreisenden anfreunden. Einer der Beamten bittet mich alles aufzuschliessen. Die grimmig dreinschauende Hundetante fragt mich, ob der Hund überall rein und ran dürfe. Was ich bestätige, das darf er, ist ja schliesslich sein Job. Ich werde gebeten zurück zu treten, wo ich von zwei der Beamten flankiert werde, auf mich muss man eben schon aufpassen. Die zwei sehen irgendwie witzig aus und erinnern mich an die steif bemützten Polizeibeamten aus den Derrick-Krimis aus den 80er Jahren. Ich muss schmunzeln, wenn ich mir vorstelle, dass hier plötzlich Harry Klein auf mich aufpasst. Was doch so eine Amerikareise alles an Überraschungen für mich bereithält. Bis zum Ende.




„Wat kost’n det, so’n Land Rover von Südamerika hierher zu schippern?“ – „Ist kein Land Rover…“ aber ich gebe bereitwillig Auskunft. Die zwei Beamten scheinen vor allem an den monetären Faktoren einer Reise interessiert zu sein: Wieviel kostet es für die Passagiere, wieviel für den „Land Rover“, wieviel Geld braucht man auf einer mehrjährigen Reise mit dem eigenen Auto, wie kommt man dazu und wie lange muss man sparen. Irgendwann springt der Golden Retriever freudig mit dem Schwanz wedelnd aus dem Heck es blue truck, hinterher klettert die gehässige Beamtin die mir einen missmutigen Blick zuwirft. Nichts gefunden, denk ich mir, sonst wär die garantiert besser drauf. Der Hund krabbelt hoch auf den Beifahrersitz. Von dort mit den Vorderpfoten auf das Armaturenbrett, mal links, mal rechts, mit den Hinterläufen sackt er zwischen den Sitzen ein und verstrickt sich fast ein bisschen zwischen Handbremse und den Schaltstöcken bevor er auf meinem Drivers-Seat Platz nimmt. Als er vor lauter eifrigem Rumschnüffeln mit der Pfote kurz auf den Hornknopf drückt erschrickt er selbst ganz tüchtig. So gehörig, dass er mit einem Satz raus ist,  er springt aus der Fahrertür und wild auf dem Car-Deck hin und her und will mit seiner Herrin spielen. Die wirft mir wieder diesen grimmigen Blick zu, als wäre ich Schuld, dass ihr Hund mein Horn drückt. Ich werde gebeten den Motorraum zu öffnen. Gefügig reisse ich die Klappe auf. Während mich die anderen zwei Beamten weiter interviewen über wie lange man sparen muss, hebt die Hundezöllnerin den Hund hoch auf den Motor. Dem ist nicht so richtig wohl, weil er kaum irgendwo festen Halt findet. Er krabbelt aber wacker mehrere Minuten auf Motor und auf den Filtern rum, dann erlöst er sich selbst mit einem grossen Satz und springt vom Motor runter. Auf dem Boden landend scheinen dem armen Hund die Pfoten wie auf einem Eisfeld davon zu rutschen. Der stahlblecherne Boden bietet den Hundepfötchen wenig Halt. Schwanzwedelnd springt er auf seine Herrin zu (würd mir bei der grimmigen Tante ja nicht passieren) wird mit ein paar lobenden Worten an gebrummelt, bekommt was Knabbriges aus der leuchtfarbenen Jackentasche und darf schnell ein bisschen Ball spielen. Alsbald ist aber aus mit lustig, jetzt muss das Tier unten durch. Da scheint ihm der Spiessrutenlauf über Luft- und Dieselfilter, über Ventildeckel und Einspritzleitungen eben auf dem Motor gerade noch gefallen zu haben. Da unten ist es dem Köter definitiv zu eng, immer sucht er sich schnell wieder einen Ausweg um wieder aufrecht gehen zu können. Seine Herrin kommandiert kurz und mit für Nichthunde unverständlichen Worten, packt ihn am Halsband und schon kriecht er wieder unter dem Toyota durch. Und gleich wieder raus. Nach drei oder vier dieser Prozeduren hat nicht nur der Hund genug. Auch der Hundeführerin reicht’s. Der Hund springt erfreut rum, darf ein bisschen Ballspielen und bekommt noch mal was aus der Jackentasche. Als er freudig wedelnd auf mich zuläuft, der immer noch von zwei Derrick-alike Beamten flankiert ist, wird er energisch zurückgepfiffen. Diese ganze Prozedur dauert gut und gerne 20 Minuten. Dann wird mein Toyota als drogenfrei klassifiziert, ich könnte jetzt runterfahren meinen die Zöllner und verabschieden sich freundlich mit einem Händeschütteln. Von Frau Hunde-Herrchen werde ich nochmals mit einem grimmigen Blick und einem knappen Kopfnicken beglückt.  

Ich lasse das Trio hinter mir. Zum letzten Mal steige ich die Treppen hoch. Auf Deck 12 angekommen sehe ich jetzt die Köpfe der zwei Beamtinnen, die eben noch in unseren Rucksäcken steckten. Die schrauben jetzt an Lüftungsgittern rum und wühlen in Kartonschachteln die in einem kleinen Vorratsraum aufgetürmt sind. Ursi ist bereit. Nach der Kontrolle hat sie alles wieder am richtigen Ort verstaut. Wir marschieren los, begegnen in den weitläufigen Gängen den neusten Passagieren auf der Grande Francia. Ein älteres holländisches Paar, sie werden mit dem Kahn von hier bis nach Südamerika reisen und von dort gleich wieder zurück bis nach Hamburg. Sicher auch interessant, trotzdem, so gut es mir gefallen hat, gleich hin und zurück in einem Zug, rund 2 Monate auf dem Schiff, na ja. Er hat einen bauchlangen, spitzen weissen Bart und wie wir zur Verabschiedung unserer Schiffskameraden in den Aufenthaltsraum treten dauert es nicht lange bis wir gefragt werden ob wir Papa Noël gesehen hätten. Ja wirklich, wenige Tage vor Weihnachten, Nord-Europa, das muss ja fast der Samichlaus sein, der da an Bord kommt. Seine Frau gleicht aber wenig einem Schmutzli. Küsschen hier und Händeschütteln da. Ein bisschen Trinkgeld in der Handballe wechselt von meiner in des Küchenchefs Handfläche während der Verabschiedung und schon stehen wir vor der Kapitäns Kabine. Drinnen sind deutsche Zöllner, der Kapitän und der First Officer. Es wird auf Englisch diskutiert und der Tonfall des Kapitäns lässt spüren, wie zuwider ihm diese Zollformalitäten sind. Der 1st kommt mit unseren Pässen und einer kleinen Fahne kalten Männerschweisses aus der Kabine. Wir bedanken und verabschieden uns. Mit gemischten Gefühlen steigen wir die Treppe runter auf Deck 5 wo der blue truck wartet.


Mit einem Knarren streckt sich der Toyota einige Zentimeter aus den Federn als ich die Spanngurten vorne und hinten durch ihre Verschlüsse sausen lasse, die Keile sind unter den Räder weg gekickt und auch nach einem Monat Pause springt der 4.2 Liter Diesel willig nagelnd an. Ich manövriere den Toyota hinter der Säule hervor, hinter die wir vor exakt einem Monat millimetergenau eingewiesen wurden. Und schon rollen wir runter auf Deck 3 und von dort auf die Rampe und vom Schiff.

4 Jahre und 7 Monate, 4 Sätze Reifen, 2 Sätze vordere Bremsklötze und über 160‘000 Kilometer ist es her seit der blue truck zum letzten Mal europäischen Boden unter seinen Rädern hatte. Damals hatte ich ihn nach Basel gefahren, an den Rheinhafen wo er alsbald in einem 20 Fuss Container verschwand und seine Reise in die USA antrat. Für mich ist es irgendwie eigenartig, ich bin ja zwar mehrmals während der langen Reise zurück in die Schweiz geflogen aber jetzt, mitsamt dem Toyota wieder auf europäischem Festland zu rollen ist schon ein spezieller Moment, ein bisschen Wehmut, ein bisschen Freude und keine Zeit irgendwas davon überhaupt richtig wahrzunehmen.

Wir rollen vorbei an einer grünen Lampe um gleich vor einer rotweissen Schranke zum Stehen zu kommen. Im Rückspiegel sehe ich wie sich auch hinter uns eine rotweisse Schranke senkt. Kein Entkommen mehr.  „Ja wo kommt ihr denn her?“ will der Mann in Leuchtweste im Häuschen wissen. „Aus Uruguay, gerade mit der Grande Francia“ angekommen, ich händige ihm unsere Papiere, Pässe und den Fahrzeugausweis aus. „Ne, ne…“ er will das alles nicht. So schnell gehe das nicht. Meint er. Da sei ich ein bisschen voreilig in seine Schleuse gefahren. Wir könnten nur raus, wenn wir mit einem Agenten einen Zollcheck gemacht hätten. Ich erzähl was von der grimmigen Hundeführerin und den wunderfitzigen Zöllner und dass wir das alles schon erledigt hätten. Weder vorne noch hinten könne er uns nun rauslassen, meint er während er in sein Telefon zu sprechen beginnt. So sitzen wir fest.

Fünf Minuten später kommt einer daher. Internationale Uniform: Diese Leuchtwesten scheinen eine globale Uniformierung geworden zu sein. Ob Du einen Schulbus fährst in Alaska oder auf einer Baustelle arbeitest in Kolumbien, ob Du Motorrad fährst in Bolivien oder eben wie dieser Herr bei einer Sicherheitsfirma in Hamburg arbeitest, Leuchtweste ein Muss. Der Typ hat ganz kurz geschorene Haare oben auf der Stirn stehen sie aber in so einer Tintin-Locke vom Kopf, mit der von der Leuchtweste mal abgesehen schwarzen Uniform und den Springerstiefeln gibt ihm das so ein bisschen ein Schwulen-Klischee-Aussehen. Freundlich ist er: Kein Problem, sagt er beruhigend mit gespielter „alles im Griff“ Betonung. An einer elastischen Schnur zieht er an einem riesigen Schlüsselbund der jeden Gefängniswärter vor Neid im Boden versinken liesse, im Rückspiegel sehe ich wie er gleichzeitig in sein Handy plaudert und einen seiner vielen Schlüssel in das Gehäuse des Schrankenpfeilers steckt. Und das Rotweissrot hinter uns schnellt in kleinen, ruckeligen Bewegungen hoch. Wir parken auf einem kleinen Parkplatz innerhalb der „Niemandslands“ Zone. Ein anderer Beamter kommt, verpasst dem Toyota einen Kleber mit Strichcode. John Wayne könnte es nicht besser, er zieht aus einem Halfter einen revolverähnlichen Leser und scannt den Code auch gleich ein. Tintin-Locke begleitet uns durch eine feuerverzinkte stählerne Drehtür durch die er uns nur mit seinem Badge durchschleusen kann. Von da geht es in einen Selbstbedienungs-Raum. Irgendwie müssen wir uns an einem kleinen Gerät erfassen, damit wir zu einer Laufnummer kommen. Ein seinem Job gerecht werdender brummiger, aber überaus freundlicher Brummi-Fahrer hilft uns und erklärt uns wie’s weiter geht. 10 Minuten später werden wir von einem Flachbildschirm eingeladen uns im oberen Stock zu melden. Schon im Treppenhaus werden wir wieder von einem Trucker, natürlich, ja Du hast’s rausgefunden, in Leuchtweste, freundlich Richtung unseres Schalters gewiesen. Dort werden wir nach einer Menge Dinge gefragt, Laufzettel? Hafenpass? Frachtbrief? Lauter Dinge die wir nicht haben. Wir erklären: Privater PKW, ja - mit Schweizer Zulassung, ja - von Südamerika kommend, ja - nein, nicht im Container – ja, der steht schon draussen und wir sind auf eigenen Rädern hier vorgefahren. Geht irgendwie alles nicht und übersteigt die Kompetenzen der netten Dame mit dem tiefschwarz gefärbten Haaren und den violetten Augendeckeln hinter der Scheibe. Minuten später verschwinden wir hinter einer Tür auf der „Kein Zutritt“ steht. Ein riesiges Büro, trotzdem sind nur drei oder vier Arbeitsplätze eingerichtet. Unterdessen ist eigentlich Mittagszeit. An einem der Schreibtische sitzt ein junger, betont freundlicher Herr, er erklärt uns wie der Prozess nun ablaufe, dass er warten müsse, warten bis wir im System erscheinen, also unser Auto. Das nachdem John Wayne unser Auto mit einem Bar-Code versehen hat nun jeden Augenblick geschehen sollte. Er gibt schon mal unsere Daten ins „Hafen-System“ ein. Wie er so Hafen-System sagt muss ich unweigerlich an weiss emaillierte Töpfe denken, die noch unsere Grosseltern unter ihre Bettkante schoben. Aber ausser meiner davon gleitenden Fantasie hat das Hamburger-Hafen-System sehr wenig mit dem Hafen-System meiner Urgrosseltern zu tun. Obwohl da vermutlich auch schon mal dasselbe drin landet. Scheisse. Der junge Mann ist sehr bemüht. Geht immer wieder rein ins, eben, Hafen-System, sucht ob unser Bar-Code schon erfasst sei und erscheint. Ich nütze die Zeit und betrachte die vielen Modelle von Hafenkränen, Containern Liftern und dergleichen, die auf den Aktenschränken staub sammeln. Eine Luftaufnahme des weitverzweigten Hafens von Hamburg fasziniert mich ebenso. Unterdessen ist auch der Abteilungsleiter oder so was ähnliches wieder vom Lunch zurück. Sein Büro ist im selben grossen Raum, von einer kleinen Schrankwand ist er nur wenig von seinen Untertanen getrennt. Sein freistehender Schreibtisch steht auf einem kleinen 25 cm hohen Podest im Büro und sein Bürostuhl sieht extrem modern aus und umschliesst ihn wie der Schalensitz eines Rally-Piloten bis hoch hinter den Kopf. Hier kommen keine Zweifel auf wer der Chef am Platz ist.


Wir haben es geschafft. Wir sind drin. Im Hafen-System. Der freundliche junge Mann hackt flink was in seine Tastatur und druckt ein paar Formulare aus. Er erklärt uns wie und wo wir durchfahren müssen um eine Unterschrift vom Zoll auf den Formularen zu bekommen, damit sollten wir dann gleich wieder bei ihm antraben. Wir drängen uns zwischen den Leuchtwesten-Brummifahrern durch und schleusen uns durch die stählerne One-Way Drehtür. Schon klopft der Diesel und der Toyota setzt zurück. Zwischen tausenden von Tonnen Handelsware, hunderten von Containern und endlosen LKW Schlangen schleichen wir zum entsprechenden Gebäude am Hafen. Wir präsentieren unsere Dokumente und die Pässe. Ein freundlicher Herr verschwindet mit allem, kommt einige Minuten später mit unseren Papieren, zwei Stempeln und einem Kugelschreiber wieder an sein Stehpult zurück. Jetzt wird gestempelt und signiert. Dann verschwindet er in einem Büro und kommt in einer dicken Jacke mit Fellkragen und in einer steifen Mütze zurück. Nun müsse er noch den Wagen sehen. Er freut sich, dass wir uns nicht irgendwo bei den Brummis eingereiht hätten. „Das machen die normal mit ihren Wohnmobilen…“ Minuten später stünden dann schon drei oder vier 40 Tönner hinter dem WoMo und müssten alle zurücksetzen sobald er die Papier für die einreisenden Reisenden gemacht hätte. Wir stehen aber auf einem PKW Parkplatz praktisch vor seinem Büro. Um Jacke und Mütze ist er trotzdem froh, Schneeregen bläst uns um die Ohren. Seine Inspektion des Fahrzeugs dauert kaum 30 Sekunden, er verabschiedet sich und wir rollen wenige Minuten später wieder vor dem Gebäude mit der Zollagentur vor. Die rotblonde Tintin-Locke steht hinter den Tresen und winkt uns nickend durch während er einen Trucker anmotzt. Summsumm und die „Kein Eintritt“ Türe öffnet sich. Der junge Mitarbeiter erkundigt sich ob alles geklappt hätte, schaut sich unsere Papiere an und füttert sein Sache ins Hafen-System. Wir steigen die Treppe runter, verabschieden uns danken von Schmalzlocke Tintin der unterdessen wieder irgendetwas draussen auf dem Vorplatz rumkommandiert. Ob vor einer Disco in New York, am Flughafen in Zürich oder hier am Hamburger Hafen, irgendwie sehen diese Typen der privaten Sicherheitsfirmen immer wie „Copy-Paste“ Versionen, haar genau gleich aus, egal wo und wann. Immer ein bisschen zu proper in ihre dunklen Uniformen gepresst, immer ein bisschen zu aufgeblasen, ein bisschen zu viel Zeit im Fitness-Center verbracht, ein bisschen zu viele Muskelpillen intus, und immer ein bisschen schwul wirkend. Aber egal, hier sind sie jedenfalls freundlich.

Die Tussi von Garmin lotst uns sicher und flink durch Hamburg Richtung Süden. Der blue truck ist ja nicht gerade das ideale Gefährt für unlimitierte deutsche Autobahnen und so dieseln wir, noch mit Südamerikanischem Billigtreibstoff eher gemächlich, im Speed der Autobusse und der schnelleren Lastwagen Richtung Süden.


Europa hat uns wieder.     

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